Kaiserslautern (llp) – Während andernorts noch darüber diskutiert wird, ob Inklusion eigentlich machbar sei, haben über 250 Menschen auf der Gartenschau Kaiserslautern einfach mal die Laufschuhe geschnürt – und das ganz buchstäblich.
Am heißen Freitag, den 19. Juni, verwandelte sich der Neumühlenpark auf dem Gartenschaugelände in eine 750-Meter-Runde, die es in sich hatte – nicht wegen der Steigung oder der Hitze, sondern wegen dessen, was dort passierte. Beim Wilde-Hilde-Gemeinschaftslauf liefen, gingen, rollten und schoben Athleten mit und ohne Behinderung gemeinsam über die Strecke. Das Ziel war schlicht: so viele Runden wie möglich in 30 Minuten. Keine Zeitnahme, kein Pokal für den Schnellsten, kein Finisherfoto mit geschwellter Brust am Zielband. Dafür aber jede Menge Herzblut – und am Ende zusammengerechnet stolze 675 Kilometer.
Um 17:30 Uhr fiel der Startschuss, Parkplätze standen ab 16:30 Uhr nahe der Hochschule Kaiserslautern bereit. Die Westpfalz kennt Pünktlichkeit, wenn es drauf ankommt. Das Konzept ist so simpel wie überzeugend: Jede gelaufene Runde generierte Spendengelder von lokalen Unternehmen für soziale Zwecke. Am Ende des Nachmittags waren stolze 2.000 Euro zusammengekommen – ein Betrag, für den andere Komitees monatelang Anträge in Dreifachausfertigung beim Stadtrat einreichen würden. Hier reichte eine Runde um den Teich.
Was den Wilde-Hilde-Lauf von anderen Sportveranstaltungen unterscheidet, ist nicht die Distanz – 675 Kilometer legen Radsportler an einem langen Wochenende zurück. Es ist die Art, wie diese Kilometer entstanden sind. Ob zu Fuß, mit Rollator oder im Rollstuhl: Alle Teilnehmenden waren gleichwertig unterwegs. Keine Wertung nach Kategorie, kein gesonderter Start für „die anderen“. Einfach zusammen losziehen – alla, jetzt geht’s los.
Die Veranstaltung war von Beginn an als Fest des Miteinanders konzipiert, nicht als Leistungsnachweis. Und genau das hat funktioniert. Wer glaubt, ohne Wettkampf fehle der Sport, hat offenbar noch nie erlebt, wie viel Energie 250 Menschen entfalten können, wenn sie gemeinsam ein Ziel verfolgen – nämlich möglichst viele Runden für den guten Zweck zu drehen. Das Gartenschaugelände bot dabei eine Kulisse, die selbst hartgesottene Pflastertreter milde stimmt: blühende Beete, schattende Bäume und das beruhigende Rauschen des Neumühlenparks im Rücken.
Dass die Gartenschau Kaiserslautern für ein solches Format die ideale Bühne bietet, versteht sich fast von selbst. Das Gelände hat in diesem Sommer ohnehin bewiesen, dass es mehr kann als hübsche Blumenrabatten und Familiensonntage. Der Wilde-Hilde-Lauf reiht sich in eine Serie von Veranstaltungen ein, die zeigen: Hier entsteht ein Stadtquartier, das langfristig für alle da sein soll – und das fängt damit an, es jetzt schon so zu behandeln. Ajo, manchmal läuft es eben rund in Kaiserslautern.
Der Lauf macht deutlich, dass gesellschaftliche Teilhabe kein Programmpunkt in einer PowerPoint-Präsentation sein muss, sondern an einem Freitagnachmittag einfach passieren kann – mit Turnschuhen, Rollstuhl und einer Runde um den Teich. 675 Kilometer gemeinsam zurückgelegte Strecke sind das beste Argument, das die Westpfalz in diesem Sommer auf die Waage legen konnte.
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