Bastian Schweinsteiger griff in die Kugeln, und heraus kam ein Duell, das sich gewaschen hat: Hannover 96 gegen den 1. FC Kaiserslautern in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Die Heinz von Heiden Arena ist der Schauplatz, der Termin steht auf den 27. oder 28. Oktober – und irgendwo in der Westpfalz haben gerade tausende Rote Teufel ihren Kalender aufgeschlagen und einen dicken roten Kreis gemacht. Mit Herzblut. Vielleicht zwei.
Hannover-Sportdirektor Ralf Becker ließ es sich natürlich nicht nehmen, die freudige Botschaft in die Kameras zu sprechen: „Mich freut besonders, dass es ein Heimspiel ist. Es ist ein Duell zwischen zwei Traditionsvereinen. Wir freuen uns auf das Spiel und werden natürlich das Ziel haben, gegen unseren Ligakonkurrenten zu gewinnen und in die nächste Runde zu kommen.“ Wir registrieren das mit einem höflichen Nicken. Und einem Augenzwinkern. Und dem leisen Gedanken: Schön, dass ihr euch freut.
Hannover hat sich den Einzug in die zweite Runde mit einem 9:1-Kantersieg gegen die SV Hemelingen (Bremen, 5. Liga) gesichert – und darf sich dabei auch noch zuguthalten, dass das in den drei Jahren zuvor gegen damalige Drittligisten jeweils in Runde eins nicht geklappt hatte. Ja, ihr lest richtig. Jetzt, mit einem Zweitliga-Ligakonkurrenten als Gegner, ist die Vorfreude bei den Niedersachsen also besonders groß. Die moderne Fußballwelt erklärt sich manchmal selbst.
Für die Roten Teufel aus Kaiserslautern ist das nichts weiter als eine weitere Station auf dem Weg dorthin, wo der Betze hingehört – tief im Pokal, am liebsten bis ganz nach Berlin. Das Betze-Beben lässt sich schließlich auch in der Heinz von Heiden Arena veranstalten. Die FCK-Fans haben Erfahrung darin, auswärts für Gänsehaut zu sorgen, die eigentlich den Heimkurven zusteht.
Wer nach Zahlen sucht, der wird in der Ligabilanz der vergangenen Saison fündig: Hannover gewann das erste Duell mit 1:0 – der FCK revanchierte sich anschließend mit einem 3:1. Man könnte also sagen: ausgeglichen. Man könnte auch sagen: Der Letzte hat gewonnen. Und im Pokal ist bekanntlich alles möglich – das wissen die Roten Teufel aus einer langen, stolzen und mitunter herzzerreißenden Geschichte mit dem DFB-Pokal nur zu gut.
Für Hannover geht es ligaseitig bereits am Freitag beim 1. FC Nürnberg weiter. Für den FCK steht der Fokus auf dem Pokal-Highlight – und auf dem kleinen, aber feinen Detail, dass ein Einzug ins Achtelfinale für den Sieger weitere 912.755 Euro in die Vereinskasse spülen würde. Für einen Traditionsverein, der jeden Euro zweimal umdreht, ist das kein unwichtiger Gedanke.
Zwei Traditionsvereine, ein Pokalspiel, eine Arena irgendwo in Niedersachsen. Ralf Becker freut sich auf das Heimspiel. Das ist sein gutes Recht. Aber die Westkurve reist an, die Roten Teufel sind in Form – und Kaiserslautern hat bekanntlich eine Eigenart, in großen Momenten besonders unangenehm für den Gegner zu werden. Es kann jeden Tag so weit sein. Und Ende Oktober ist es soweit.
Wir halten euch auf dem Laufenden. Dubbeglas kaltgestellt, Schal rausgelegt, Auswärtsfahrt gebucht – so geht Westpfalz.