Kaiserslautern (llp) – Wer gedacht hatte, die härteste Nachricht des Sommers käme vom Betzenberg, wurde eines Besseren belehrt: Die Molkerei Hochwald schließt ihr Werk in Kaiserslautern, und zwar so schnell, dass die Milch im Tank schneller kalt wird als mancher Sozialplan.
Rund 80 Beschäftigte erfuhren nach Unternehmensangaben kurzfristig von der Entscheidung – ein Timing, das man in der Westpfalz aus anderen Zusammenhängen bestens kennt: Baustellen werden gefühlt ebenfalls gerne erst angekündigt, wenn der Bagger schon rollt. Für die meisten der Betroffenen steht der letzte Arbeitstag bereits im September an. Wer also im August noch in der Schicht stand und fleißig Milch verarbeitete, hat gut einen Monat, um sich auf die neue Realität einzustellen. Die Region reagiert auf solche Fristen traditionell gelassen – schließlich hat man hier schon größere Überraschungen weggesteckt.
Unternehmenssprecherin Kathrin Lorenz nennt als Grund mangelnde Rentabilität: Das Werk belieferte hauptsächlich den chinesischen Markt, dessen Absatz zuletzt spürbar zurückging. Was in Fernost nicht mehr gefragt ist, hat in der Westpfalz eben keine Zukunft – so einfach kann globaler Handel sein. Einige Mitarbeiter sollen die Möglichkeit erhalten, an anderen Hochwald-Standorten weiterzuarbeiten; wie viele das tatsächlich betrifft, ist noch offen. Ein Sozialplan wird derzeit verhandelt – was bedeutet, dass die wirklich wichtigen Fragen noch auf dem Tisch liegen, während die Uhr bereits tickt.
Immerhin: Die Milchannahmestelle mit fünf bis zehn Mitarbeitern soll noch bis Ende des Jahres in Betrieb bleiben, bevor auch dort endgültig das Licht ausgeht. Ein kleiner Trost für die Belegschaft – und ein Zeitraum, der in Kaiserslautern gerade mal reicht, um einen Bauantrag vollständig auszufüllen. Was aus dem Standort danach wird, ist offiziell noch offen; inoffiziell darf man die Westpfälzer Fantasie schweifen lassen.
Was bleibt, ist ein bitteres Bild: Ein Werk, das Jahrzehnte lang lief, schließt, weil ein Markt auf der anderen Seite des Globus die Lust verloren hat. 80 Menschen stehen vor einer ungewissen Zukunft, der Sozialplan ist noch in der Verhandlungsphase, und die Milch fließt noch ein paar Wochen weiter – bis dann wirklich Schluss ist. Alla gut, wie man hier sagt. Meistens stimmt das sogar.
Exklusiv aus der Westpfalz – Lauter Wahrheiten. Meistens!