Es gibt Momente in dieser Stadt, da ist die Burgstraße so still, dass man die eigenen Gedanken hören kann. Und dann gibt es Momente, da hören andere Leute deine Gedanken – zum Beispiel gut aufgestellte Zeugen, die genau wissen, was gehört und was nicht gehört. Die Nacht zum 16. Juli war so ein Moment.
Gegen 0:45 Uhr in der Nacht machten sich zwei Männer in der Burgstraße in Kaiserslautern an geparkten Fahrzeugen zu schaffen. Was die beiden – 18 und 20 Jahre alt – offenbar nicht auf dem Schirm hatten: Zeugen hatten sie dabei beobachtet und prompt die Polizei alarmiert. Die Beamten rückten aus, stellten die zwei Herren und fanden bei ihnen gestohlenes Diebesgut – darunter Taschen und Schlüssel. Kurzum: alles, was man so braucht, wenn man fremde Autos für seine persönliche Fundgrube hält.
Soweit die klassische Blaulicht-Chronik einer K-Town-Nacht. Doch dann wurde es noch ein bisschen pikanter. Der 20-jährige Tatverdächtige war nämlich nicht nur wegen des Diebstahls ein gefragter Mann – gegen ihn lag auch noch ein Vollstreckungshaftbefehl wegen einer unbezahlten Geldstrafe vor. Das bedeutet auf Deutsch: Er hätte direkt in Untersuchungshaft gekonnt. Hätte. Denn der Mann zückte – man muss sich das bildlich vorstellen – den ausstehenden Betrag und bezahlte die Geldstrafe noch vor Ort. Freiheitsdrang ist offenbar die stärkste Währung, die es gibt.
Nach dieser nächtlichen Finanztransaktion unter freiem Himmel wurden beide Tatverdächtige nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen entlassen. Die Strafanzeige wegen Diebstahls nehmen sie trotzdem mit – sozusagen als Urlaubssouvenir aus der Burgstraße.
Was bleibt? Die Lehre des Abends ist eigentlich simpel: In Kaiserslautern schlafen die Zeugen nicht, die Polizei schon gar nicht – und wer eine offene Rechnung hat, sollte sie besser bezahlen, bevor er auf Beutezug geht. Wäre günstiger gewesen, und zwar in jeder Hinsicht.
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