Jeder kennt das: Man steht im Supermarkt vor dem Konfitüren-Regal, liest „Erdbeere mit Vanille-Note“ und weiß beim besten Willen nicht, ob da jemals eine echte Erdbeere mitgemischt hat oder nur ein Chemiker mit guter Fantasie. Wer’s genau wissen will, woher seine Marmelade kommt, der muss in diesem Fall nicht lange suchen – sondern einfach nach Johanniskreuz fahren. Dort hat das Haus der Nachhaltigkeit am Samstag, den 10. Oktober, zum Marmeladenmarkt unter dem Motto „regional und selbst gemacht“ eingeladen, und zwar von 11 bis 17 Uhr.
Das Prinzip ist angenehm unkompliziert: Hausgemachte Marmeladen und Gelees aus regionalen Früchten, direkt vom Hersteller, zum Probieren und Kaufen. Keine zehn Zwischenhändler, kein Logistikzentrum irgendwo zwischen hier und Timbuktu – sondern der Mensch, der das Glas eingekocht hat, steht tatsächlich selbst am Stand. Das ist ungefähr so, als würde man beim Winzer direkt aus dem Fass probieren, nur eben mit Löffel statt Dubbeglas.
Wer jetzt denkt, es gäbe nur Marmelade und sonst nichts, der hat die Rechnung ohne das Haus der Nachhaltigkeit gemacht. Laut der Ankündigung auf Pfalz.de warten neben den klassischen Fruchtaufstrichen auch Fruchtsäfte, Sirupe, Essige, Liköre, Chutneys und Honig auf neugierige Gaumen. Die Hersteller haben dabei offenbar aus allem, was Streuobstwiese und Garten hergeben – Beeren, Früchte, Nüsse, Gemüse –, etwas Haltbares und Schmackhaftes gezaubert. Nachhaltigkeit und Regionalität stehen hier nicht nur als Worthülsen auf dem Flyer, sondern sind laut Veranstalter das erklärte Programm des Tages.
Wer schon immer mal wissen wollte, was eigentlich auf dem alten Apfelbaum vom Opa wächst, bekommt an diesem Tag die Gelegenheit zur Aufklärung. Im Seminarraum des Infozentrums stehen laut Pfalz.de echte Pomologen bereit – also Experten für Streuobstsorten – und bestimmen mitgebrachte Früchte. Die Regeln dafür sind klar: fünf gesunde Früchte pro Baum, möglichst groß und gut entwickelt (die Trockenheit hat es den Bäumen offenbar nicht leicht gemacht), maximal fünf Proben pro Person. Wer schon immer ahnte, dass der Baum hinterm Haus eine Rarität ist, bekommt hier endlich Gewissheit – quasi der Ahnenpass für Äpfel und Birnen.
Apropos Programm: Um 14 Uhr hielt die zertifizierte Obstwartin Susanne Ecker im Seminarraum einen Vortrag zum Thema „Lebendige Streuobstwiesen – vom Kulturerbe zum Zukunftsraum“. Darin ging es laut Veranstalter um den ökologischen und kulturellen Wert der Streuobstwiesen sowie um Herausforderungen und Lösungsansätze im Zusammenhang mit dem Klimawandel – ein Thema, das die Westpfalz mit ihren vielen alten Wiesen und Hochstämmen direkt betrifft.
Und weil ein Tag im Wald offenbar nicht nur aus Essen und Vorträgen bestehen soll, gab es zusätzlich noch eine Drechselvorführung des Drechsler Clubs Pfalz e.V. Dort flogen laut Ankündigung die Späne, während kleine und große Kunstwerke aus heimischem Holz entstanden – quasi das handwerkliche Pendant zur Marmelade, nur dass man das Ergebnis nicht aufs Brot schmiert.
Wer sich fragt, was es mit markierten Obstbäumen am Wegesrand auf sich hat: Die pomologische Bestimmung fand im Rahmen der Aktion „Gelbes Band“ statt. Diese Bewegung kümmert sich um die Erhaltung und Förderung von Streuobstwiesen, die für die Artenvielfalt eine wichtige Rolle spielen. Initiiert wurde sie laut Pfalz.de von der LEADER AG Pfälzerwald plus, dem Biosphärenreservat Pfälzerwald und dem Haus der Nachhaltigkeit selbst. Mit einem gelben Band markierte Bäume signalisieren: Hier darf jeder kostenlos ernten, der Verwendung für das Obst hat. So landen Äpfel, Birnen und Pflaumen, die sonst ungenutzt unterm Baum verrotten würden, am Ende doch noch in der Pfälzer Küche – eine Art analoges Prinzip gegen die Lebensmittelverschwendung, lange bevor das zum Trendwort wurde.
Wer nach so viel Programm noch nicht genug hatte, konnte sich im Pfälzer Waldladen umsehen, der laut Veranstalter ebenfalls geöffnet hatte und weitere nachhaltige, regionale Produkte anbot. Für das leibliche Wohl war, wie es heißt, ebenfalls gesorgt – Hunger musste an diesem Tag in Johanniskreuz also niemand leiden.
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