Kaiserslautern (llp) – Stellen Sie sich einmal vor, die Ampeln dieser Stadt wären keine stummen, stur blinkenden Blechkästen mehr, sondern ein Bienenschwarm. Jede einzelne Ampel eine Biene, die per Funk mit ihren Artgenossinnen tuschelt: „Achtung, hinten kommt ein Rettungswagen, lasst ihn durch!“ oder „Der Bus hat Verspätung, schaltet mal schneller auf Grün!“ Genau dieses Bild drängt sich auf, wenn man sich anschaut, was gerade im Verkehrsnetz der Stadt heranwächst – auch wenn die Beteiligten selbst lieber von künstlicher Intelligenz sprechen.
Am Mittwoch, dem 7. Oktober, trafen sich beim Fraunhofer-Institut in Kaiserslautern Fachleute aus ganz Deutschland zu einem ganztägigen Workshop mit dem sperrigen, aber ambitionierten Titel „Wie KI und C-ITS die Grenzen des Machbaren im Verkehrsmanagement neu definieren“. Organisiert wurde das Treffen im Rahmen des Nationalen Kompetenznetzwerks für nachhaltige Mobilität (NaKoMo), das im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr Kommunen zum Wissensaustausch zusammenbringt. Wie der Wochenblatt-Reporter berichtet, nimmt Kaiserslautern dabei deutschlandweit eine Vorreiterrolle ein – und tatsächlich hat man hier schon eine ganze Weile an diesem digitalen Bienenstock gebastelt.
Der Ursprung der Geschichte reicht zurück bis ins Jahr 2024, als die Stadt Kaiserslautern mit ihrer Projektskizze erfolgreich am Förderaufruf „Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme“ des Bundesministeriums teilnahm. Wie aus einer Mitteilung der Stadtverwaltung hervorgeht, die seinerzeit von Nachrichten-KL veröffentlicht wurde, sollten insgesamt 42 Ampeln in der Kernstadt umgerüstet werden – darunter auch jene entlang der Nordtangente. Der Grund für die Eile: Die Bundesnetzagentur hatte die Abschaltung des Analogfunks angekündigt, wodurch auch die klassische Bus-Vorrangschaltung an Ampeln technisch aus der Zeit fallen würde. Die Kommunen müssen ihre Systeme bis spätestens 31. Dezember 2028 anpassen.
Projektleiter Sebastian Schulze erklärte damals, das KI-basierte Steuerungssystem solle nach Fertigstellung das größte zusammenhängende Netz seiner Art in Europa werden. Baudezernent Manuel Steinbrenner begründete den Schritt mit dem wachsenden Konfliktpotenzial im Verkehrsraum: Je mehr Verkehrsteilnehmende sich die Straßen teilen, desto wichtiger werde der Schutz von Fußgängern und Radfahrenden durch moderne Steuerungssysteme.
Beim aktuellen Workshop im Oktober 2025 zeigte sich, wie weit der Schwarm inzwischen gewachsen ist. Beigeordneter Manuel Steinbrenner begrüßte die Teilnehmenden aus ganz Deutschland und betonte laut Wochenblatt-Reporter, dass künstliche Intelligenz, kooperative Assistenzsysteme und die Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur neue Möglichkeiten für Mobilität und Verkehrsmanagement eröffneten. Kaiserslautern biete dafür ideale Voraussetzungen, da hier Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft und kommunale Praxis auf engem Raum zusammenträfen.
Inhaltlich ging es unter anderem um den strategischen Einsatz von KI in der Mobilität, vorgetragen vom Fraunhofer IESE, sowie um zwei konkrete Projekte: Die Stadtverwaltung stellte den aktuellen Stand von „KIMONO I“ vor, während der Fachbereich Mechatronik der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) das Projekt „AORTA“ präsentierte. Bei AORTA geht es darum, wie Einsatzfahrzeuge in Notsituationen schneller an ihr Ziel kommen – etwa durch automatisierte Unterstützung bei der Bildung einer Rettungsgasse. Das Projekt wurde mit Unterstützung des Tiefbaureferats der Stadtverwaltung umgesetzt.
Wie ernst es den Beteiligten mit der Praxisnähe ist, zeigte sich direkt vor Ort: Die Workshop-Teilnehmenden konnten live miterleben, wie ein umgerüsteter Bus der SWK mit Unterstützung von Yunex Traffic sowie ein mit spezieller Sensorik ausgestattetes Fahrzeug der RPTU mit einer Ampelanlage kommunizierten – ein kleiner Vorgeschmack auf das, was ab Ende 2026 im gesamten Stadtnetz Alltag werden soll. Seitens des Projektträgers waren die TÜV Rheinland Forschungs- und Innovationsmanagement GmbH sowie die VDI/VDE Innovation + Technik GmbH vertreten.
Steinbrenner dankte den Organisatoren und allen Beteiligten für den Austausch und hob die Zusammenarbeit mit Fraunhofer-Institut, RPTU, SWK, Yunex Traffic und weiteren Partnern hervor. Mit dem KIMONO-Projektprogramm wolle die Stadtverwaltung nicht nur bestehende Problemstellen angehen, sondern die Infrastruktur insgesamt zukunftsfest machen.
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