Es gibt Abende, da zieht man sich für den Gang in die Stadt eine schicke Jacke über. Und es gibt Abende, da zieht man lieber gleich alles aus und beschließt, der Fußgängerzone sein unverhülltes Innerstes zu präsentieren – akustisch wie optisch. Am frühen Freitagabend entschied sich ein 35-Jähriger genau für Letzteres und verwandelte die Kaiserslauterer Einkaufsmeile kurzerhand in seine persönliche Bühne. Nur ohne Textbuch, ohne Anmeldung und definitiv ohne Applaus.
Die Besorgte Beobachterin unter uns darf an dieser Stelle kurz durchatmen: Die Lage war schnell im Griff der Beamten, niemand kam ernsthaft zu Schaden. Aber der Reihe nach.
Oberkörperfrei und mit beeindruckender Lautstärke zog der Mann durch die Innenstadt und schrie wahllos Passanten an – ganz ohne erkennbaren Anlass, ganz ohne erkennbare Zielgruppe. Wer zufällig in Laufrichtung unterwegs war, bekam die geballte Stimmgewalt frei Haus. Kein Rabatt, keine Ausnahme, einfach volle Dröhnung mitten zwischen Schaufenstern und Satzzeichen-losen Spontankäufen.
Als die alarmierten Polizeibeamten eintrafen, war relativ schnell klar: Hier war wohl nicht nur schlechte Laune am Werk. Die Beamten erkannten Anhaltspunkte für eine Beeinflussung durch Betäubungsmittel – was die energiegeladene Freiluft-Performance zumindest ein Stück weit erklärt, wenn auch nicht entschuldigt. Um weitere Störungen zu verhindern, erteilte die Polizei dem Mann einen Platzverweis für den gesamten Innenstadtbereich. Und – man staune, liebe Leserin, lieber Leser – er hielt sich tatsächlich daran. Kein Theater, keine Diskussion, einfach: weg vom Betze-nahen Trubel.
Für alle, die sich jetzt fragen, ob man in K-Town noch sicher shoppen gehen kann: Ja, kann man. Die Polizei war zügig vor Ort, hat die Lage sachlich bewertet und beendet – professionell und ohne großes Aufsehen. Genau so, wie man sich das als Anwohnerin oder Anwohner wünscht, wenn mal wieder wer glaubt, die Fußgängerzone sei sein persönliches Amphitheater.
Einsatzgrund: Ein 35-jähriger Mann belästigte oberkörperfrei und lautstark schreiend mehrere Passanten in der Kaiserslauterer Fußgängerzone.
Beteiligte: Polizeipräsidium Westpfalz.
Status: Platzverweis für den Innenstadtbereich erteilt – der Mann kam diesem nach, Lage beruhigt.
Fakt des Tages: Anhaltspunkte deuteten auf eine Beeinflussung durch Betäubungsmittel hin – offenbar der Grund, warum aus einem normalen Freitagabend-Bummel ein ungeplantes Solo-Konzert ohne Kleiderordnung wurde.