Stellen Sie sich das Klavier einmal nicht als Möbelstück vor, sondern als ein Lebewesen in Gefangenschaft – jahrzehntelang brav im Salon gehalten, wo es nett klimpern durfte, solange es sich dem Orchester unterordnete. Und dann, am 16. Oktober 2026, um 19:30 Uhr in der Fruchthalle Kaiserslautern, öffnet jemand den Käfig. Dieser Jemand heißt Ludwig van Beethoven, und das Tier, das er freilässt, ist sein drittes Klavierkonzert in c-Moll.
Die Pfalzphilharmonie Kaiserslautern lädt zum Sinfoniekonzert „Zukunftssturm und letzte Romantik“, am Pult steht Harish Shankar, derzeit Generalmusikdirektor am Landestheater Schleswig-Holstein und Preisträger des 6. Internationalen Jorma-Panula-Dirigierwettbewerbs. Am Flügel sitzt Herbert Schuch, ein Pianist, der – wie die Stadt Kaiserslautern in ihrem Programmheft schreibt – die Musik „nicht nur zum Klingen, sondern auch zum Sprechen“ bringt. Schuch hatte bereits beim 3. Pfalztheaterkonzert der Saison 2024/25 mit Beethovens zweitem Klavierkonzert für Begeisterung gesorgt, nun kehrt er mit dem dritten zurück.
Man könnte das Konzert als eine Art Zeitreise-Sandwich beschreiben: In der Mitte steht Beethovens Werk, uraufgeführt 1803 im Theater an der Wien, als der Komponist selbst noch den Solopart übernahm. Es ist, folgt man den Erläuterungen der Stadt Kaiserslautern, sein einziges Klavierkonzert in einer Moll-Tonart – ein biografisch aufgeladenes Detail, schließlich hatte Beethoven kurz zuvor in seinem „Heiligenstädter Testament“ seine zunehmende Schwerhörigkeit beklagt. Das Klavier wird bei ihm nicht länger nur begleitet, sondern tritt dem Orchester als gleichberechtigter Gesprächspartner gegenüber – ein Dialog auf Augenhöhe, der laut Programmheft einen wichtigen Grundstein für die sinfonisch geprägten Konzerte des späteren 19. Jahrhunderts legte.
Rechts und links von diesem revolutionären Mittelteil liegen zwei Blicke zurück, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Den Anfang macht Maurice Ravel mit seinen „Valses nobles et sentimentales“, einem Walzer-Zyklus, der 1911 zunächst als Klavierfassung entstand und sich ausdrücklich auf zwei gleichnamige Werke Franz Schuberts bezieht. Wie die Stadt Kaiserslautern erläutert, ist das Werk jedoch keine Stilkopie, sondern reflektiert die Wiener Walzertradition aus der Perspektive des beginnenden 20. Jahrhunderts – inklusive einer Uraufführung 1912 in Paris, die beim Publikum zunächst für Irritation sorgte.
Den Abschluss bildet Sergej Rachmaninows dritte Sinfonie a-Moll, die 1935 entstand und ein Jahr später in Philadelphia unter Leopold Stokowski uraufgeführt wurde. Zwischen seiner zweiten und dritten Sinfonie, so die Stadt Kaiserslautern, lagen 28 Jahre, eine Emigration in die USA und ein kompositorisches Verstummen, ausgelöst durch die Entwurzelung nach der Russischen Revolution. In nur drei Sätzen verbindet Rachmaninow spätromantischen Schwelgerton mit moderneren Brüchen – bis hin zu einem überraschenden Bolero-Zitat im Finale.
Vor dem Konzert, um 18:45 Uhr, gibt es im Roten Saal eine Einführung mit Annabelle Köhler. Wie treffpunkt-pfalz.de berichtet, gibt es Karten im Vorverkauf von 30,00 Euro bis ermäßigt 11,50 Euro, erhältlich in der Tourist-Information in der Fruchthallstraße 14, beim Thalia Ticketservice sowie online über eventim.de und fruchthalle.de. Die Eintrittskarte gilt zudem als Fahrschein für Bus und Bahn am Veranstaltungstag bis 3:00 Uhr des Folgetages.
Satire darf alles, außer langweilen. Für echte Beschwerden über die Straßenreinigungssatzung ist die Stadtverwaltung zuständig, für den Humor ausschließlich LauternLife. (lal)
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