Kaiserslautern (llp) Der Fackelbrunnen in der Innenstadt ist so eine Kaiserslauterer Institution. Man setzt sich hin, isst sein Mittagssandwich, beobachtet das bunte Treiben am Rande der Fußgängerzone – und hofft insgeheim, dass sich der Tag einigermaßen unspektakulär entfaltet. An einem Donnerstagnachmittag war das leider nicht der Fall. Denn was sich dort entfaltete, hätte selbst den hartgesottensten Blaulicht-Reporter kurz den Stift aus der Hand fallen lassen.
Ein 58-jähriger Mann entblößte sich am Nachmittag unweit des Fackelbrunnens und onanierte – mitten in der Öffentlichkeit, mitten in der Stadt. Das Ordnungsamt, das für genau solche Momente ausgebildet und (man möchte meinen: innerlich gestählt) im Dienst ist, schritt ein und sprach eine Verwarnung aus. Eine Geste des guten Willens, quasi ein letztes Angebot der Zivilisation.
Das Angebot wurde abgelehnt. Der Mann ignorierte die Anordnung, was für das Ordnungsamt das Signal war: Hier läuft nichts mehr auf freundlichem Wege. Was folgte, war keine sachliche Diskussion über Anstandsnormen in der Fußgängerzone – der 58-Jährige griff einen Mitarbeiter des Ordnungsamtes körperlich an. Die Hände hatte er sich zuvor und nach seiner spielerischen Selbstliebe bestimmt auch nicht gewaschen. Damit hatte er sich endgültig jede Kulanzregelung verspielt.
Die Polizei rückte an, der Mann wurde festgenommen. Er sieht sich nun einer stattlichen Anklageliste gegenüber: Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung, Bedrohung und Exhibitionismus. Die Ermittlungen laufen, Zeugen, die den Vorfall am Fackelbrunnen beobachtet haben, werden von den Behörden gebeten, sich zu melden.
Apropos Zeugen und Meldungen: Die Kaiserslauterer Polizei hat in diesen Wochen generell alle Hände voll zu tun. Denn parallel laufen Ermittlungen zu einem anderen Exhibitionismus-Fall – diesmal am Gelterswoog. Dort hatte sich am 2. Juni 2026 zwischen 12 und 13 Uhr ein unbekannter Mann einer Frau gezeigt, bevor er in Richtung Parkplatz das Weite suchte, als die Frau auf ein älteres Ehepaar traf. Der Tatverdächtige dort wird als 40 bis 50 Jahre alt, etwa 1,85 Meter groß und mit kurzem dunkelblondem Haar beschrieben. Diese beiden Fälle haben nichts miteinander zu tun – außer dass sie zeigen, dass die Westpfalz gerade eine bemerkenswert unrühmliche Häufung dieser Delikte erlebt.
Ob die Entblößungen mit den hohen Temperaturen zusammenhängen ist noch nicht geklärt. Viellicht ist es ein Zusammenspiel aus dem Versuch durch Textilverlust eine Kühlung herbeizuführen und der zeitgleichen Hirnverbrutzelung durch die Hitze. Wir geben zu, das ist reine Spekulation der LauternLife Redaktion. Doch anders können wir uns das alles einfach nicht erklären.
Hinweise zum Gelterswoog-Fall nimmt die Polizei Kaiserslautern unter der Rufnummer 0631 369-13312 entgegen. Wer zum Fackelbrunnen-Vorfall etwas gesagt bekommt oder beobachtet hat, wendet sich ebenfalls an die Polizei.
Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ordnungsamtes, die an diesem Nachmittag ihren Job gemacht haben – respektiv und mit dem nötigen Mut – gebührt an dieser Stelle ausdrücklich Respekt. Dass ein Einsatz, der mit einer Verwarnung beginnen sollte, in einem tätlichen Angriff endet, ist keine Lappalie. Das ist Alltag für Menschen, die dafür sorgen, dass die Innenstadt halbwegs funktioniert.
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