Kaiserslautern (llp) – Es gibt Menschen, die besuchen das MoMA in New York. Andere pilgern zur Sagrada Família. Und dann gibt es offenbar jene seltene Spezies, die ihre Architektur-Leidenschaft in einem Mehrfamilienhaus in der Turnerstraße stillt. Willkommen in K-Town.
Montagvormittag, 3. August – während die halbe Stadt noch verschlafen ihren ersten Kaffee runterspült, wird in der Turnerstraße bereits Geschichte geschrieben. Ein 38-Jähriger hat sich ungebeten in den Hausflur eines Mehrfamilienhauses begeben und dort offenbar intensiv die Bausubstanz studiert. Man kann sich das Bild ausmalen: Kopf in den Nacken, bewundernder Blick auf den Putz, vielleicht ein nachdenkliches Nicken in Richtung Treppengeländer.
Blöd nur, dass ein 32 Jahre alter Bewohner just in diesem Moment ebenfalls das Treppenhaus nutzen wollte – zu dem revolutionären Zweck, im eigenen Haus die Treppe hochzugehen. Der Bewohner forderte den fremden Herrn auf, das Gebäude zu verlassen. Das tat der 38-Jährige auch sofort – aber nicht ohne seiner Leidenschaft Ausdruck zu verleihen: Er habe sich lediglich für die Architektur und Bauweise des Hauses interessiert, erklärte er laut Polizeidirektion Kaiserslautern.
Dem Bewohner kam diese Erklärung – man ahnt es – seltsam vor. Also tat er das einzig Vernünftige und rief die Polizei. Die Einsatzkräfte rückten an, hörten sich die Geschichte an und standen vermutlich kurz vor einer Frage, die in keinem Polizei-Lehrbuch steht: „Aber wie fanden Sie denn nun die Bauweise?“ Stattdessen blieben sie professionell, erläuterten dem 38-Jährigen die Rechtslage, erteilten einen Platzverweis – und der Mann zog danach nach Polizeiangaben offenbar einsichtig weiter.
Wohin? Vielleicht in die nächste Straße. Vielleicht zum nächsten architektonisch interessanten Hauseingang. Die Westpfalz hat schließlich einiges zu bieten.
Was die Polizei am Ende des Tages festhalten musste: Die eigentlichen Absichten des Mannes konnten nicht abschließend geklärt werden. Ein Satz, der in seiner bürokratischen Nüchternheit mehr Fragen aufwirft als beantwortet. War er wirklich ein verkannter Bauhaus-Fan? Ein Hobbydenkmalpfleger? Oder schlicht jemand, dem das Wetter draußen zu warm war? K-Town schweigt. Der Treppenhaus-Kenner auch.
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