Kaiserslautern (llp) – Nach exklusiv vorliegenden Informationen aus dem Inneren des Pfalztheaters Kaiserslautern betreibt das Haus seit Jahren ein Programm, dessen Dimensionen in der westpfälzischen Öffentlichkeit bislang sträflich unterschätzt wurden: die systematische Erzeugung professioneller Bühnenkünstler aus dem Rohzustand des postgradualen Studiums. Experten zeigen sich beeindruckt, mitunter auch leicht beunruhigt.
Wer als aufmerksamer Theaterbesucher die Besetzungszettel des Pfalztheaters einer philologisch korrekten Lektüre unterzieht, wird ihn früher oder später bemerken: das hochgestellte Sternchen hinter einzelnen Namen. Es handelt sich, wie ein Sprecher des Hauses auf Anfrage bestätigte, nicht um einen Druckfehler und auch nicht um einen astrologischen Hinweis, sondern um das diskrete Erkennungszeichen der Studioteilnehmenden. Auf der Bühne selbst sind diese von den Ensemblemitgliedern nicht zu unterscheiden. Die operative Tarnung ist nahezu perfekt.
Seit 2017 existiert das Opernstudio, seit 2023 ergänzt durch das Schauspielstudio. Die Kooperationsstruktur liest sich wie ein bürokratisches Meisterwerk: Die Gesangsstudierenden kommen von der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim, absolvieren ein postgraduales Aufbaustudium mit drei Praxissemestern am Pfalztheater und müssen dabei sogar zwei sogenannte „Scheine“ vorweisen. Im Schauspielbereich läuft die Kooperation mit der Schauspielschule Mainz. In der Regel werden pro Spielzeit zwei Studierende für das Opernstudio ausgewählt – eine Selektionsquote, die selbst den Vorstand mancher Kaiserslauterer Kleingartenparzelle vor Neid erblassen ließe.
In der vergangenen Spielzeit sah sich das Opernstudio mit zwei Mitgliedern konfrontiert, deren Biografien den Stoff für mindestens zwei abendfüllende Produktionen böten – hätte das Haus nicht bereits ein volles Repertoire.
Slavica Bozic, Mezzosopranistin aus Bosnien-Herzegowina, verließ mit 14 Jahren ihr Elternhaus, um nach Belgrad zu ziehen, das Abitur zu erwerben und mit 19 Jahren das Land zu verlassen. Ihr Ziel war Neustadt an der Weinstraße – ein Ort, der in keiner der kanonischen Operndramaturgien bislang als Ausgangspunkt einer internationalen Gesangskarriere figurierte, der diese Leerstelle nun aber offenkundig zu schließen beginnt. Ihre Mutter war Sängerin, der Weg also vorgezeichnet, wenn auch über Umwege, die geografisch bemerkenswert sind. Am Pfalztheater war sie in „L’enfant et les Sortilèges / L’heure espagnole“, „Dead Man Walking“ sowie im „Rosenkavalier“ zu erleben. Das Studio bezeichnet sie als „große Chance fürs Studium und Unterstützung fürs Studieren“. Diese Formulierung, interne Quellen zufolge vollkommen ernst gemeint, gibt Kraft, wie sie sagt – und das angesichts aller Anforderungen.
Ihr Kollege Seongbeom Gu ist gebürtiger Koreaner und der erste Musiker im Familienverbund, was laut eigenen Aussagen trotz elterlicher Einwände als unabdingbare Berufung erfahren wurde. Den Weg zur Musikhochschule Frankfurt am Main fand er über eine Google-Suche – ein Verfahren, das in Fachkreisen als unkonventionell gilt, im vorliegenden Fall jedoch zum gewünschten Ergebnis führte: Die in Korea erworbenen Studienleistungen wurden anerkannt. Das Opernstudio am Pfalztheater bezeichnet er als „ein großes Glück“. Ein Sprecher des Vereins Freunde des Pfalztheaters bestätigte auf Anfrage, dass der Verein die Teilnahme finanziell fördert und alljährlich ein Musikcafé mit den Neuzugängen des Opernstudios ausrichtet – ein Format, das die intellektuelle Westpfalz nach Lage der Dinge noch nicht in seiner vollen soziologischen Bedeutung gewürdigt hat.
Was das Modell von anderen Formaten der Nachwuchsförderung strukturell unterscheidet, ist die konsequente Nicht-Sichtbarkeit der Differenz. Die Studioteilnehmenden stehen, singen und spielen gemeinsam mit den regulären Ensemblemitgliedern und den Gästen des Hauses. Das Sternchen in der Besetzungsliste ist die einzige Konzession an die institutionelle Wahrheit. Wer keinen Programmzettel liest – und nach einer Karaffe Pfälzer Weißburgunder im Foyer ist das bekanntlich die Mehrheit –, erlebt schlicht Theater.
Die poststrukturalistische Lesart dieses Arrangements liegt auf der Hand: Die Grenze zwischen dem Auszubildenden und dem Professionellen wird performativ aufgelöst, bevor sie rechtlich abgeschlossen ist. Das Pfalztheater betreibt, in anderen Worten, eine institutionalisierte Dekonstruktion des Berufsbildes – und tut dies, seit 2017, mit bemerkenswerter Geräuschlosigkeit.
Lauter Wahrheiten. Meistens.
Der wahre Kern: Das Pfalztheater Kaiserslautern betreibt seit 2017 ein Opernstudio in Kooperation mit der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim sowie seit 2023 ein Schauspielstudio in Kooperation mit der Schauspielschule Mainz. Studierende mit abgeschlossenem Master-Studium sammeln in der Regel ein bis anderthalb Jahre lang professionelle Bühnenerfahrung. Der Verein Freunde des Pfalztheaters unterstützt das Programm finanziell. In der Spielzeit 2024/25 waren die Mezzosopranistin Slavica Bozic (Bosnien-Herzegowina) und der Bariton Seongbeom Gu (Südkorea) Teil des Opernstudios.
Die Satire-Einordnung: Die Formulierungen rund um „operative Tarnung“, „bürokratisches Meisterwerk“, „soziologische Würdigung des Musikcafés“ sowie die poststrukturalistische Deutung des Sternchens in der Besetzungsliste sind rein satirischer Natur und frei erfunden. Die Zitate von Slavica Bozic und Seongbeom Gu sind authentisch und entstammen dem redaktionellen Ausgangsmaterial.
Satire darf alles, außer langweilen. Für echte Premieren-Informationen ist das Pfalztheater Kaiserslautern zuständig, für den Humor ausschließlich LauternLife. (llp)