Es war das Wochenende, an dem die Westpfalz sich offenbar entschieden hat, die Hitzewelle auf ihre ganz eigene Art zu feiern – mit Feuer, Rauch und mehr als 1.000 Notrufen. Willkommen in Kaiserslautern, wo der Sommer keine halben Sachen macht und die Feuerwehr trotzdem kühlen Kopf behält. Meistens.
Los ging der spaßige Teil schon am Freitagnachmittag: Kurz nach 16 Uhr brannte im Gewerbegebiet West Vegetation auf rund 300 Quadratmetern – als wäre der Feierabend nicht schon anstrengend genug. Keine drei Stunden später, gegen 19 Uhr, legte ein Bodenfeuer im Wald am Blechhammer noch mal rund 400 Quadratmeter drauf. Die Feuerwehr hatte also schon am Freitag kaum Zeit, die Grillzange wegzulegen.
Was sich währenddessen in der Integrierten Leitstelle Kaiserslautern abspielte, klingt weniger nach Schichtdienst und mehr nach einem Extremsport-Event: In der Dienstschicht von Freitag auf Samstag gingen mehr als 1.000 Notrufe ein. Dazu kamen über 250 disponierte Einsätze im Rettungsdienst sowie 50 Erst- und Nachalarmierungen für Feuerwehr und Katastrophenschutz. Wer an diesem Wochenende in der Leitstelle saß, dürfte den Begriff „ruhige Nacht“ für eine Weile aus seinem Wortschatz gestrichen haben.
Der Samstag setzte dann noch einen drauf. Gegen 13.30 Uhr brannte am Vogelwoog Wald auf rund 100 Quadratmetern. Gegen 15 Uhr standen in der Spicherer Straße Wiesen und Hecken in den Gärten zweier Wohnhäuser auf 150 Quadratmetern in Flammen. Und kurz nach 17 Uhr verhinderten die Einsatzkräfte die weitere Ausbreitung eines Waldbrandes zwischen Vogelwoog und Königsberger Straße – das Feuer hatte dort bereits rund 1.000 Quadratmeter erfasst. Nahezu zeitgleich, gegen 17.30 Uhr, musste die Feuerwehr auf dem Einsiedlerhof auch noch den Brand einer elektrischen Schaltanlage in einem Industriebetrieb unter Kontrolle bringen. Weil Multitasking ja so schön ist.
Und dann kam Belgien. Nein, kein Fußballspiel – Rauchschwaden mehrerer großer Waldbrände aus Belgien und dem Norden von Rheinland-Pfalz zogen bis in die Kreise Kusel und Kaiserslautern. Das Ergebnis: Das Notrufaufkommen stieg auf mehrere Hundert Anrufe pro Stunde. Offenbar haben viele besorgte K-Towner den Rauch am Himmel gesehen und pflichtbewusst die 112 gewählt – was man ihnen nicht verdenken kann, aber die Leitstelle trotzdem ordentlich ins Schwitzen brachte.
Insgesamt wurden im gesamten Leitstellenbereich 14 Vegetationsbrände gezählt, elf davon als groß und dynamisch eingestuft. Das klingt nach einer Statistik, die niemand in seiner Jahresbilanz haben möchte.
Der Sonntag gönnte Einsatzkräften und Waldboden zumindest eine relative Atempause: Bis zum Nachmittag waren an einer Brandstelle vom Vortag nur noch Kontrollen und kleinere Nachlöscharbeiten erforderlich. Die Leitstelle allerdings blieb auch am Sonntag mit hohen Notrufzahlen sowie Einsätzen im Rettungsdienst, im Brand- und Katastrophenschutz vollauf beschäftigt. Pause? Kennt man dort gerade nicht.
Exklusiv aus der Westpfalz – Lauter Wahrheiten. Meistens!